Erntedank

Foto: S.Bernecker
Foto: S.Bernecker

Erntedank - ländliche Folklore oder echte Dankbarkeit?

 

Im Gebiet unserer Kirche sind nach wie vor viele Landwirte und Winzer direkt abhängig von einer guten Ernte. Ein schlechter Jahrgang bedeutet für sie finanzielle Einbußen. Vielen Städtern mag dagegen das Erntedankfest wie eine eher folkloristische Veranstaltung vorkommen. Ihnen ist der Rhythmus von Saat und Ernte fremd geworden - und damit auch die Selbstverständlichkeit, ein Erntedankfest zu feiern. Das ist in anderen Ländern anders: In den USA wird in den Familien der Erntedanktag, Thanksgiving, so groß gefeiert wie Weihnachten.


Die Geschichte des Erntedankfestes

Die Religionen aller Zeiten und Kulturen kennen Feste, die ihren Göttern für den Ernteertrag danken oder um ein üppige Ernte bitten. Die Christen haben also das Erntedankfest nicht erfunden, sondern bestehende Kulte christlich umgedeutet. In vorchristlicher Zeit verehrten viele Religionen eine oder mehrere Gottheiten, die speziell für Fruchtbarkeit und Ernte zuständig waren. Die Römer zum Beispiel verehrten die Göttin Ceres als Göttin der Saat - daher kommt unser Wort Zerealien für Frühstückskörner. In der griechischen Mythologie hatte diese Göttin der Ernte und der Saat den Namen Demeter. Sie erfand die Methode Korn zu dreschen, zu mahlen und daraus Brot zu backen. Deshalb ist ihr Zeichen die Ähre.


Der Dank der Ernte unter christlichen Vorzeichen

Das erste christliche Erntedankfest wurde wahrscheinlich bereits im 3. Jahrhundert in das Brauchtum der Kirche übernommen. Einen einheitlichen Termin für das Fest gab es aber nicht: schließlich war die Ernte nicht überall zur selben Zeit eingebracht.

Die heutige evangelische Kirche feiert Erntedank meistens am ersten Sonntag im Oktober. Allerdings haben die einzelnen Gemeinden freie Hand, auch andere Termine zu wählen: In Weinbaugebieten wie Rheinhessen liegt der Termin häufig erst Ende Oktober, nach Abschluss der Traubenlese.